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Reitstile – Eine Einführung


Pferde werden seit Jahrhunderten von uns Menschen genutzt. Dabei haben sie ganz unterschiedliche Aufgaben wahrgenommen: Sie waren nicht nur Zug- und Arbeitstiere, sondern auch Kampfross in Kriegen und halfen als Arbeitspferde bei der Rinderarbeit. Aus dieser unterschiedlichen Nutzung und deren Anforderungen haben sich nicht nur die unterschiedlichen Zuchtziele der Pferderassen entwickelt, sondern auch unterschiedliche Reitstile. So findet man heute im Reitsport den so genannten „englischen Reitstil“ mit seinen Bereichen Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Aber auch das Westernreiten erfreut sich international großer Beliebtheit und inzwischen ist „Reining“ – die Dressur der Westernreiter – auch eine olympische Disziplin. Die spanische Reitweise erfreut sich großer Beliebtheit vor allen Dingen in der Freizeit- und Showreiterszene – hier geht es um Eleganz und Ausstrahlung von Reiter und Pferd und der besonderen Fähigkeit zu Figuren der „Hohen Schule“, das bedeutet besondere Sprünge unter dem Reiter.

Die spanische Reitweise


Heute findet man die spanische Reitweise oftmals bei Showauftritten. Denn hier finden die Figuren der Hohen Schule einen würdigen Rahmen. Diese Reitweise hat sich ursprünglich aus der Kriegsreiterei zu Pferde entwickelt, als es darauf ankam, sich seine Gegner fernzuhalten und dabei die Sprünge der Pferde zu Hilfe genommen wurden.

Hier kam es auf Wendigkeit auf kleinstem Raum an, ebenso wie bei der Arbeit mit den Stieren, auch hier war geschicktes Reagieren auf kleinste Zeichen des Reiters notwendig. Um auch bei Stößen fest im Sattel zu sitzen, sind die Sättel vorne und hinten höher durch die sogenannten Galerien. Das Springen über Hindernisse war damit nicht vorgesehen.

Die spanische Reitweise zeigt in ihrer höchsten Form nicht nur Piaffe und Passage, sondern auch die Levade (Steigen) oder gar die Kapriole, das Ausschlagen mit der Hinterhand aus der Levade heraus. Hierbei gilt es immer mit leichten Hilfen zu reiten und ein wendiges, gehorsames Pferd zu haben. Besonders Pferde mit kompakterem Körperbau, wie die spanischen Rassen eignen sich ganz besonders dafür.

Westernreiten


Das Westernreiten hat sich aus der Arbeit der Cowboys in den USA entwickelt. Hier ging es darum, Rinderherden über eine große Entfernung über mehrere Tage oder gar Wochen durch das Land zu treiben. Dazu kamen noch die Arbeiten wie das Abtrennen einzelner Tiere von der Herde oder das Einfangen mit dem Lasso. Dazu ist es notwendig, sowohl einen bequemeren Sattel (Westernsattel) für Reiter und Pferd zu haben, als auch eine Reitweise, die nicht ständig dem Pferd sagt, was es tun soll.

Das Ziel beim Westernreiten ist daher, ein Pferd zu haben, das auf einzelne kurze Signale sofort schnell reagiert und auch gewisse Dinge selbstständig ausführt. Dazu gehört zum Beispiel das Separieren der Rinder: Hier leistet das Pferd einen großen Teil der Arbeit selbstständig und dabei darf der Reiter es dann nicht ungewollt stören.

Auf der anderen Seite muss ein Westernpferd auch sofort reagieren, wenn der Reiter ein Rind eingefangen hat und über das Pferd gestoppt werden soll – hier muss ein kleines Signal für das Pferd ausreichen. Dabei darf man nicht außer Acht lassen, dass der Weg bis dahin genau so sorgfältig und mühsam ist, wie in allen anderen Disziplinen auch. Nur die Hilfengebung und die Ausrüstung unterscheiden sich dabei.

Vielseitigkeitsreiten


Die Vielseitigkeitsprüfung ist eine Herausforderung der besonderen Art: Hier müssen drei Prüfungsteile absolviert werden. Nämlich eine Dressurprüfung, eine Springprüfung und eine Geländeprüfung, bei der feste und teil natürliche Hindernisse überwunden werden müssen.

Die Geländeprüfung stellt eine besondere Anforderung dar, denn hier müssen sowohl Kondition als auch Mut und Können bei Reiter und Pferd stimmen. Denn hier wird sowohl die Geländestrecke komplett durchgaloppiert, als auch dazwischen immer wieder ein oder mehrere Sprünge absolviert. Diese bestehen aus festgebauten Hindernissen und sind sehr vielseitig und auch mit Tiefsprüngen (Sprung in die Tiefe) versehen.

Für den Reiter bedeutet die Vielseitigkeit, sich sowohl im Dressurviereck, als auch im Springparcours und auf der Geländestrecke sicher mit und auf dem Pferd bewegen zu können. Das setzt ein vielseitiges Training von Reiter und Pferd voraus.

Springreiten


Beim Springreiten muss eine festgelegte Anzahl von Hindernissen, die in einer bestimmten Höhe aufgebaut sind, möglichst fehlerfrei überwunden werden. Hierbei muss der Reiter in der Lage sein, sein Pferd gezielt an einen Sprung heranzureiten und das Pferd über dem Sprung nicht zu stören und nach dem Sprung wieder aktiv weiter zu reiten.

Beim Springen wird mit kürzeren Bügeln als in der Dressur geritten und der Reiter sitzt nicht gerade aufgerichtet im Sattel, sondern nimmt den so genannten leichten Sitz ein, bei dem der Oberkörper vorgeneigt ist. In den höheren Klassen der Prüfungen werden die Springparcours auch immer schwieriger bei der Sprungfolge und den dazwischen zu reitenden Linien. Dazu kommen die unterschiedlichsten Sprünge wie Steilsprünge, hoch-weite Sprünge wie ein Oxer oder weite flache Sprünge, wie zum Beispiel ein Wasserhindernis.

Jeder Abwurf einer Stange ergibt Strafpunkte und am Ende entscheidet oftmals ein Stechen auf Fehler und Zeit auf einem verkürzten Parcours über den Sieger.

Dressurreiten


Bei der Dressur geht es um Gehorsam und Ausstrahlung des Pferdes bei der Ausführung seiner Bewegungen. Hierbei geht es zum Beispiel um den Takt der Bewegung, die Losgelassenheit und den Schwung des Pferdes. Das Pferd soll unter dem Reiter seine natürlichen Bewegungen verbessern und dabei in der Lage sein, seinen Reiter auf dem Rücken zu tragen. Dazu muss der Reiter ausbalanciert sitzen und mit Gewicht, Schenkel und Zügel gezielt einwirken können, um das Pferd zu veranlassen die gewünschten Übungen auszuführen.

Bei Dressurprüfungen geht es bis zu den Lektionen wie der Piaffe (das Traben auf der Stelle), Galopppirouette (mit den Vorderbeinen galoppiert das Pferd um seine eigene Achse) oder auch der Traversale (seitwärtstreten). Aber auch für alle anderen Bereiche ist eine Grundausbildung in der Dressur wichtig, denn hier lernt das Pferd auf die Hilfen zu reagieren, die gewünschte Gangart zu gehen und sich genau lenken zu lassen.

Englischer Reitstil


Unter dem Begriff „englisch reiten“ versteht man heute das sportliche Reiten in den drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp auf einem speziell dafür geeigneten Sattel.

Dieser Sattel ist nicht für lange Strecken konzipiert, sondern darauf, dass der Reiter gut und möglichst direkt auf das Pferd einwirken kann. Hiermit kann nicht nur die Gangart gewechselt, sondern auch Tempounterschiede oder ein Verlängern oder Verkürzen der Tritte erreicht werden.

Um das Pferd zu gymnastizieren, bedient man sich auch bestimmter Figuren in der Reitbahn, mit deren Hilfe die Biegsamkeit und Geschmeidigkeit verbessert wird. Heute ist diese Reitweise vor allen Dingen durch die reitsportlichen Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit bekannt und wird in vielen Teilen der Welt praktiziert.